
Prinzessin sollte man sein.
19.06.2026
Meine Kollegin und Freundin quält sich jahrelang mit einer Lungenkrankheit, die sie immer schwächer macht. In den letzten Monaten ihres Lebens moderiert sie im Radio und im Gottesdienst mit Sauerstoff, den sie in einem kleinen Gerät am Körper trägt. Ihre letzte Chance: Eine Spenderlunge. Ihre Hoffnung wird nicht erfüllt. Sie stirbt in einer Klinik und hinterlässt ihren Mann und ihren 5-jährigen Sohn.
Lungentransplantationen sind selten und sehr kompliziert. Ein Spenderorgan ist fast nicht zu bekommen. Das wurde meiner jungen Kollegin zum Verhängnis.
Sie hieß Claudia und nicht Mette-Marit. Die 52-jährige Kronprinzessin Norwegens bekam 12 Tage nach dem Antrag auf eine Spenderlunge per Transplantation das lebensrettende Organ. Ihr Sohn Marius Borg Høiby, 29, bangte im Gefängnis um das Leben seiner Mutter. Er war am 15. Juni wegen Vergewaltigung schuldig gesprochen und zu vier Jahren Haft verurteilt worden.
Ich möchte bitte nicht falsch verstanden werden: Ich gönne der leidgeprüften Mette-Marit ihre neue Lunge von Herzen. Für sie beginnt ein neues Leben, in dem sie sich ihren Pflichten als Prinzessin und Mutter ihres Sohnes mit aller Kraft widmen kann.
Zur Erkrankung meiner jungen Kollegin kann ich nur sagen: Pech gehabt. Prinzessin müsste man sein. Und wieder einmal zeigt sich, das Macht und Geld offensichtlich alles kaufen kann. Sogar ein neues Leben.