
- POPWISE
POPWISE | Folge -6- Anti Hero
Lebensweisheiten der Popmusik mit Thorsten Wittke & Hergen von Huchting
11.06.2026
Ist es wirklich „Something Stupid“, irgendwie dumm, zu sagen: Ich liebe Dich? Wie es Nicole Kidmann und Robbie Williams singen. Und wer ist eigentlich in wen feurig verliebt bei Bruche Springsteens „I`m On Fire“?
Musik, Popsongs begleiten uns durch unser Leben, häufig viele Jahre. Aber was hören wir da eigentlich genau? Was wird uns da vermittelt? Verstehen wir alle Botschaften eigentlich richtig? Wann wäre es sinnvoll, mal genauer hinzuhören und wann wäre es vielleicht sogar besser, wegzuhören?
Beziehungsexperte und Paartherapeut, Hergen von Huchting und Radio Paradiso Moderator, Thorsten Wittke hören in die Tiefe und entschlüsseln die Glaubenssätze und Lebensweisheiten hinter den bekanntesten und beliebtesten Popsongs unserer Zeit. Popwise.
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Sprecher 1
Hallo Hergen.
Sprecher 2
Tach Thorsten.
Sprecher 1
Ich hab 'nen Song mitgebracht. Taylor Swift, Antihero.
Sprecher 2
[Musik]
Sprecher 1
I'm the problem, it's me. [lacht] Der Antiheld.
Sprecher 2
Kleines Problem, hast mich ja eiskalt erwischt, ne, mit Taylor Swift. Ich bin ja überhaupt kein-
Sprecher 1
Du bist kein Swiftie, ne?
Sprecher 2
Null. Ich, äh, die Musik ging relativ an mir vorbei, muss ich wirklich sagen. [lacht]
Sprecher 1
Wie war das möglich? Wie kann das möglich sein bei Taylor Swift? Die ist doch irgendwie omnipräsent.
Sprecher 2
Ich weiß natürlich, dass es sie gibt und dass es da 'n echt 'ne Macht am Pophimmel ist, aber. Und ich bin dir auch ganz dankbar, dass du mich mal auf dieses Lied gestoßen hast, weil natürlich hab ich mich jetzt 'n bisschen mit auseinandergesetzt. Muss allerdings gestehen, musikalisch hat's mich immer noch nicht so abgeholt. Ist nicht so mein Ding.
Sprecher 1
Nein, also ich würde schon behaupten von mir mittlerweile, dass ich 'n Swiftie bin, weil ich mag ihre Stimme wirklich sehr. Ich erkenn sie irgendwie raus, wenn ich auch mal 'nen neuen Song höre und, ähm, ich hab sie vor einigen Jahren hier in Berlin live gesehen. Da war sie noch gar nicht so riesig. Das war ihr erstes, ähm, Konzert in Deutschland oder ihre erste Tour in Deutschland. Und, äh, da war dann auch, hat sie gesagt: "Hier, äh, guter Freund ist, äh, heute auch da." Da hatten auch 'n Song gesungen und dann kam mit einmal Ed Sheeran auf die Bühne. Also [lacht]
Sprecher 2
Ach, der auch noch.
Sprecher 1
Der auch noch. Also, ähm, und da hat sie mich wirklich mitgerissen. Vorher war ich ja immer so auf Konzerten von eher Rockgrößen, wo auch gar nicht große Bühnenshow irgendwie war, sondern nur im Hintergrund vielleicht 'n bisschen Licht und dann ansonsten haben die losgerockt. Und das war so 'ne durchchoreografierte Show und ich hatte eigentlich Töchterchen Franziska mitgenommen, nicht nur eigentlich, sondern ich hab die mitgenommen und dachte so für sie, ja, ihr mal so 'ne Popkünstlerin zu zeigen, die sie, Franziska, vielleicht interessieren könnte. Und dann war ich derjenige, der da mit offenem Munde irgendwie [lacht]
Sprecher 2
Hättest mich auch mitnehmen sollen, ja.
Sprecher 1
Wow, was ist das hier für 'ne Show? Das ist ja wirklich, äh, schwer. Ich war schwer beeindruckt.
Sprecher 2
Mhm.
Sprecher 1
Und, äh, fand es wirklich auch musikalisch, äh, ganz großartig und ich glaube, da bin ich so 'n bisschen zum Swiftie geworden und, äh, verfolge sie zumindest so nebenbei auch noch weiter mit und, äh, find es auch sehr beeindruckend, wie sie mit dem ganzen Stress um sie herum irgendwie damit umgeht und wie sie das aber auch dirigiert, also wie sie das auch, glaube ich, weiterhin im Griff behält. Also ist schon 'ne beeindruckende Persönlichkeit. So, das erst mal nur so vorweg zu meiner Beziehung zu ihr. Genau und, äh, das Lied, das spielen wir bei Radio Paradiso ja auch sehr häufig. Jetzt nicht mehr ganz so häufig. Das war schon ein Riesenhit. Den haben wir jetzt so 'n bisschen runtergefahren, was die, ähm, Häufigkeit, äh, angeht. Aber Antihero, ähm, Riesenhit von Taylor Swift und mir ist vor allem immer dieses hängen geblieben, eben: It's me, hi, I'm the problem, it's me. Also, ähm, sie geht da ganz schön kritisch, ähm, mit sich um und eben der Antiheld, ne. Es ist ja nicht die Heldin, wie sonst so in der, ähm, Popwelt sonst irgendwie so beschrieben wird, sondern irgendwie geht's darum, äh, sie nimmt da alles irgendwie auf sich und, äh, hat das da mit mangelndem Selbstwertgefühl zu tun oder was ist da los bei ihr?
Sprecher 2
Ja, also man muss den Sound ja auch gar nicht unbedingt mögen. Psychologisch fand ich das Lied dann doch sehr interessant. Also ich hab mir dann mal die Texte angeguckt und auch ihre Geschichte, die ist ja schon ein Phänomen.
Sprecher 1
Ja.
Sprecher 2
Es gab grad ganz aktuell ist 'n Buch von einer Harvard Professorin über sie geschrieben worden grade, vergleicht sie mit 'nem Genie auf dem-- Die ist auch so 'n Swiftie.
Sprecher 1
Aha.
Sprecher 2
Insofern hab ich mir die Texte mal genauer angeguckt und dann hat's mich schon interessiert. Also es lohnt sich wirklich hinzugucken, grad auch bei diesem Lied Antihero. Was, wa-was sagt das für dich denn so? Was, wenn du jetzt dich gar nicht großartig mit dem Text beschäftigt hast, auf welcher Ebene hat dich das angesprochen?
Sprecher 1
Also eben, es, es klingt für mich irgendwie locker leicht. Ähm, so, so 'n schöner Autofahrsong, der eigentlich so nebenbei durchrauscht. Ähm, und sie singt so fröhlich irgendwie darüber, ich bin der Antiheld, de-de-de. So. Aber Antiheld ist ja eben erst mal nichts Gutes. Also, oder in diesem Fall eben noch mal dieses, äh, I'm the problem. Also, ähm, und das klingt irgendwie auch nicht ironisch nach dem Motto so Understatement, ja, ja, ich bin das Problem und, ähm, sondern schon, oh Gott, oh Gott, äh, alle schauen auf mich. Ähm, kommt da, glaube ich, auch irgendwie vor. Alle schauen auf mich und ich bin, bin die, die alles falsch macht. Ich, also ich, ich, ich kann in dieser Welt nicht bestehen. Ich kann in meiner Familie nicht bestehen. Ähm, ich bin der Antiheld, ich bin das, vielleicht auch ich bin das schwarze Schaf so, äh, der Familie. Das kommt bei mir an, einfach so beim Englischen Nebenbeihören. Und ist das wirklich so?
Sprecher 2
Nö. [lacht] Ich hab mir das Lied dann mal genau angeguckt.
Sprecher 1
Klär mich auf.
Sprecher 2
Also als Erstes, äh, ist mir aufgefallen, der Text ist, die schreibt ihre Texte ja meistens selber oder schreibt zumindest mit. Das find ich schon mal sehr sympathisch. Dann frag ich mich allerdings, mein Englisch ist ja gar nicht so schlecht, wer das denn wirklich so beim Konsumieren versteht. Ich hab mir das Video angeguckt, da laufen die Texte unten mit, da können die Leute lesen.
Sprecher 1
Ja, okay.
Sprecher 2
Deswegen weiß ich gar nicht genau, ob das wirklich, äh, überall so ankommt.
Sprecher 1
Ich glaube nicht.
Sprecher 2
Nö, ist aber auch nicht so schlimm, weil die Leute, die sich damit beschäftigen und die Muttersprachlichen tun das ja auf jeden Fall, bei denen landet das schon. Und dann fand ich das sehr interessant, weil sie sich, äh, nicht als Opfer sieht, sondern die ist ja unter ständiger Beobachtung. Die ist ja wirklich 'n Produkt geworden. Und dass sie sich selber kritisch hinterfragt, welche Rolle sie da einnimmt in ihrem Leben.
Sprecher 1
Ah, okay, okay. Darum geht's?
Sprecher 2
Darum geht's, ganz genau. Dass sie das ganz genau kritisch betrachtet.Inwiefern bin ich denn Teil des Problems? Was trage ich dazu bei und was kann ich tun? Wie kann ich damit umgehen?
Sprecher 1
Zu welchem Problem trägt sie was bei? Also was ist denn das Problem?
Sprecher 2
Das Problem ist, dass sie unter Dauerbeobachtung steht.
Sprecher 1
Okay, okay.
Sprecher 2
Dass sie 'ne öffentliche Person ist, dass sie sich selber auch inszeniert. Wovon-- davon lebt sie auch. Das findet sie auch gut.
Sprecher 1
Ja.
Sprecher 2
Aber dass sie auch das Problem hat, sie findet sich ja dann zu groß quasi im, im Verhältnis zu den anderen. In dem Video kommt das auch ganz gut vor. Sie wird wirklich so ein Riese im Video und die anderen sind ganz klein.
Sprecher 1
Aha.
Sprecher 2
Und da hat das bei mir natürlich angesprungen, weil zack, bin ich wieder auf der Beziehungsebene. Das passiert uns in Partnerschaften, in Beziehungen auch oft, dass einer sich selber auch sogar zu groß findet und nicht zumutbar.
Sprecher 1
Ah, okay. Mhm. Die Augenhöhe geht verloren.
Sprecher 2
Genau.
Sprecher 1
Aha. Also bei ihr jetzt in der Popwelt, in der Medienwelt geht die Augenhöhe verloren. Ich stelle mir das ja auch für so einen Star wahnsinnig schwierig vor, Freundschaften irgendwie einzugehen.
Sprecher 2
Das kannst du vergessen. [lacht]
Sprecher 1
Oder?
Sprecher 2
Erst mal, äh, und das kommt ja auch zum Schluss des Liedes. Sie hatte so 'ne Fantasie, dass sie denkt, ihre Stieftochter, sie träumt, äh, würden sie gerne beerben und bringen sie quasi deswegen um, weil sie denken, sie werden im Testament bedacht. Kommt aber gar nicht drin vor. Das spricht natürlich dann die Thematik an: Werde ich denn nur benutzt? Werde ich nur aufgrund meines Ruhmes gesehen oder wie viel von mir selber kommt denn da drin vor?
Sprecher 1
Ja, und wer bin ich denn auch selber, ne? Also, ähm, weil, äh, d-- also Teil ihrer Persönlichkeit ist ja auch ihr Ruhm. Ähm, das ist ja auch erst mal nicht grundsätzlich etwas Schlechtes, aber genau, wie schauen andere Menschen dann auf mich und wie nehme ich mich selbst wahr? Ah.
Sprecher 2
Und wie viel Monster ist in mir, singt sie auch, ne. Also ein paar sehr schöne Zeilen da drin, ähm, wenn sie sagt, äh: „Ich schaue zwar gerne in die Sonne, aber, äh, in den Spiegel schaue ich seltener. Bedeutet für mich auf der Beziehungsebene, ich bin mir gar nicht sicher, ob ich mich selber auch gut ertragen kann, ob ich mich selber gut angucken kann. Meinen Partner, mein Gegenüber, die Sonne schon. Und da wird's ja spannend, wenn sie das als Thema bringt.
Sprecher 1
Und-- Aber das ist schon so, wie ich es empfunden habe. Sie spricht von sich selbst als Antiheld. Da ist niemand anderes gemeint.
Sprecher 2
Ja, sie hat auch Angst, zu viel zu sein für, für andere auch. Äh, das finde ich dann schon sehr sympathisch, dass sie sich da selber so kritisch sieht und abholt.
Sprecher 1
Mhm. Sehr reflektiert, ne. Wobei sie eben ja von vielen, die vielleicht unkritisch auf sie raufgucken, schon so wirkt wie, ja, schon irgendwie auch 'n bisschen, äh, oder sehr narzisstisch, ne. Also sehr selbstverliebt und ja, wie, wie, wie toll bin ich. Aber dass sie, äh, in Wahrheit sich selbst, ähm, gar nicht so empfindet. Ah ja, okay.
Sprecher 2
Na, die-- Man kann wirklich sagen, so hochreflektierte Selbstbeschreibung. Gibt da so 'ne schöne Zeile, die zitiere ich dir gerne mal: „Did you hear my covered narcissism? My disguise is altruism. Ja, da frage ich mich immer, wer das versteht. Bedeutet: Verstecke ich meinen Narzissmus unter Altruismus? Oder quasi: Ich will den anderen was Gutes tun, aber eigentlich geht's nur um mich.
Sprecher 1
Ah ja.
Sprecher 2
Also das ist 'ne sehr reflektierte-- Ich tu dir 'nen Gefallen, aber eigentlich will ich nur, dass ich gut dastehe.
Sprecher 1
Will ich nur, dass ich gut dastehe. Das ist, ähm...
Sprecher 2
Also sie weiß um ihre Wirkung und thematisiert sie und sieht sich auch gar nicht als Opfer, sondern die nimmt eher so die Ambivalenz an. Ihre Identität ist eben nicht makellos. So selten im Pop. Und das fand ich dann schon sehr sympathisch. Deswegen hab ich's [lacht] paar Mal öfter gehört.
Sprecher 1
Ja, ja, ja. Und du sagst, das kommt auch in normalen, äh, Beziehungen auch vor, dass das so ist, dass die Augenhöhe da zwischen Partnern, äh, verloren gegangen ist oder nie vorhanden war.
Sprecher 2
Oder wenn einer das Gefühl hat, ich bin eigentlich zu viel für die Beziehung, ich kann mich dir ja gar nicht zumuten. Oder was passiert denn mit meiner Identität, auch jetzt bei der Taylor, wenn die ständig gespiegelt wird, so nach außen? Was-- Wo, wo bleibe ich dann selber noch?
Sprecher 1
Mhm. Ähm, wie kann man damit umgehen? Also erst mal, erst mal würde man ja sagen, ist es gut, das so wahrzunehmen, zu reflektieren, aber so eine Reflexion kann ja auch falsch sein. Also man kann ja dieses Gefühl haben, ich bin zu viel, äh, für meinen Partner, meine Partnerin, aber in Wahrheit, äh, nimmt, äh, mein Partner, meine Partnerin das gar nicht so wahr, sondern ich empfinde das nur für mich und von mir so.
Sprecher 2
Ja, dann würde es auch sogar bedeuten, du bist gar nicht unbedingt zu viel für den Partner, für dein Gegenüber, sondern-- Also ich traue mich, meinen Partner anzugucken, gehe auch in die Konfrontation, aber mein Selbstbild schaue ich mir gar nicht unbedingt an. Ich bin mir quasi selbst zu viel. Und dann lande ich, äh-- Ich bin Teil des Problems und dann lande ich beim Anti-Hero. Das finde ich dann sehr schlüssig.
Sprecher 1
Ja, spannend ist ja auch, ähm, dieses Selbstbild. Woran mache ich das fest? Also entwickle ich das Selbstbild, ähm, mithilfe meines Partners?
Sprecher 2
Ja.
Sprecher 1
Ähm, oder mache ich das wirklich losgelöst von ihm oder von ihr?
Sprecher 2
Also gerade in Beziehungen gibt es diesen wunderschönen Satz über so du zum ich. Das finde ich schon sehr praktisch, wenn du mich spiegelst als mein Gegenüber und ich kann an wir, an uns wachsen. Aber natürlich brauche ich auch einen eigenen Teil von mir, den ich mir auch mal alleine angucke. Ich muss mich auch selber vor den Spiegel stellen können. Und da frage ich mich bei der Taylor Swift, wie das für die denn so ist, ne? Ob die da wirklich noch einen guten Zugang zu sich hat.
Sprecher 1
Mhm. Ja, das wissen wir nicht, ne? Also sie wird mit Travis Kelce wohl anscheinend jemanden gefunden haben als Partner. Zumindest, äh, verlobt sind sie, glaube ich. Geheiratet ist noch nicht worden, aber eben hier der, äh, Football-Spieler. Also da scheint sie ja jemanden gefunden zu haben. Es ist ja auch bei ihr so gewesen, dass sie mehrere Beziehungen hatte, Liebesbeziehungen zumindest. Ich glaube, es sind ihr auch mehr sogar noch nachgesagt worden, als wirklich vorhanden gewesen sind. Aber da sind auch einige dabei gewesen, die sie nicht glücklich gemacht haben. Nun weiß man dann nie genau so, woran das dann am Ende gelegen hat. Aber, ähm, so eine intelligente, offensichtlich intelligente Person wie Taylor Swift, die wird sich da schon offenbar ihre Gedanken gemacht haben: Was ist da eigentlich los mit mir?
Sprecher 2
Das macht sie aber auch aus. Äh, wird 'ne Beziehung, äh, geht die zu Ende, macht sie 'nen Song drüber, macht das öffentlich quasi. Hat sie 'n Problem, macht sie 'n Song drüber. Damals mit ihren Alben, das habe ich mir dann mal angelesen, äh, nachdem die Rechte verkauft waren, hat sie die neu aufgenommen, hat quasi ihre Version, Taylor's Version, daraus gemacht. Also die sind sehrSehr autonom macht sie das.
Sprecher 1
Ja, und da ist ja, ich, ich glaube, da rutscht man oder sie wahrscheinlich auch reingerutscht als Künstlerin, dass sie, ähm, so wie ich das mitbekommen hab über ihre Geschichte, dass sie schon immer, schon auch als Jugendliche ihre, äh, Songs selbst geschrieben hat. So war das schon immer eine Form der Verarbeitung, wie auch das eine Art des Tagebuches. Und wenn das dann aber so öffentlich wird und dann auch zu einem Erfolg wird, dann geht's ja genau los in diese Richtung: Okay, was mache ich jetzt hier eigentlich? Also jetzt schreibe ich was, das hat mit mir zu tun, ähm, aber ich tu auch anderen damit etwas Gutes. Also, äh, was, was passiert hier? Was passiert hier gerade? Ähm, ja, Antihero, okay, Taylor Swift.
Sprecher 2
Ja, sie, äh, bringt da schon 'ne Menge Weisheit rein. Sie sagte in einer Zeit auch schön: "Ich werde zwar alter, äh, ich werde älter, aber nicht unbedingt weiser." Ist auch eine schöne Form der Selbstreflexion. Also sieht sie sich da nicht als Opfer, sondern das Charmante an dem Lied finde ich, dass sie sich wirklich für sich auch auf den Prüfstand stellt. Muss man natürlich abwägen, ist das jetzt eine Koketterie? Ist diese Selbstironie auch eine kleine Form der Flucht vor dieser Expo-
Sprecher 1
Miter, ja, aber da geht's auch schon wieder los, ne. Äh, dieses, dieses sich, sich selbst auch vielleicht nicht so richtig trauen zu können. Also sie wirkt da auch, ähm, fragend, oder?
Sprecher 2
Ja, das ist ja die Hauptherausforderung auch in jeder Beziehung. Hab ich denn wirklich Lust, meine, ich nenn das mal die dunklen Anteile, die Schattenseiten von mir auch anzuschauen? Oder weiche ich da lieber aus? Weil sie hätte ja jede Möglichkeit. Aber ich glaub, die hat ein ganz gutes Gefühl dafür. Sie beschreibt sich auch als the monster on the hill in dem, in dem Lied quasi zu groß, zu groß für die Stadt. Im Video wird sie zu groß für das ganze Gefüge. Da sind, äh, ihre Gegenüber ganz klein und auch in der Beziehung kann man sich dann ja manchmal zu groß, zu präsent fühlen.
Sprecher 1
Tja, klasse, ne. Wirkt wie ein locker leichter, federleichter Pop Song und es steckt so viel Tiefe drin, ähm, bei Taylor Swift, erst recht bei Taylor Swift, wobei manche das gar nicht vermutlich vermutet hätten, ne. Wie der Hergen vielleicht auch, oder?
Sprecher 2
Ich habe, ich hab gedacht, das ist so ein Tralala-Lied, so ein geh mir fort mit dem Disco-Gehopse, ne.
Sprecher 1
Ja, ah ja.
Sprecher 2
Aber wenn man es genau reinhört, ist das nicht unbedingt ein Lied über Schule, sondern mehr über Selbstverantwortung oder Selbstvernichtung und das ist so eine gewisse Reife.
Sprecher 1
Dann jetzt besonders viel Spaß beim Zuhören, beim Reinhören von Taylor Swifts Antihero.